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„Gas ist dufte.“

Alternative Antriebe: Der Econic Natural Gas Technology räumt in Berlin auf.

Die Berliner Stadtreinigung macht aus Abfällen Biogas – und betreibt damit eine Flotte von rund 150 Econic Natural Gas Technology. Die neueste Generation des Erdgasfahrzeugs setzt Maßstäbe in puncto Umweltfreundlichkeit, Sicherheit und Ergonomie.

„Der Gasmotor im Econic steckt voller ausgeklügelter Technologie.“

Der Neue im Kiez ist ein ruhiger Typ. Er hat jede Menge Kraft, stellt sie aber ohne Getöse in den Dienst der Gemeinschaft. Sein Name: Econic 2630 Natural Gas Technology. Der grüne Spezialist für den Entsorgungs- und Verteilerverkehr läuft seit März 2015 im Mercedes-Benz Werk Wörth mit dem neuen Gasmotor M 936 G vom Band. Zwei der ersten Exemplare des umweltfreundlichen und dank niedrigem Drehzahlbereich besonders leisen Aggregats fahren derzeit als Abfallsammelfahrzeuge durch Berlin: im Testbetrieb für die Berliner Stadtreinigung (BSR).

Das kommunale Entsorgungsunternehmen mit derzeit mehr als 5.100 Beschäftigten ist der größte Econic-Kunde in Deutschland. Rund 150 gasbetriebene Exemplare verschiedener Generationen gehören zum Fuhrpark. Für das kommende Jahr plant die Berliner Stadtreinigung Investitionen in Höhe von knapp zwölf Millionen Euro, um in die Jahre gekommene Dieselfahrzeuge zu ersetzen. Langfristig sollen 50 Prozent der Flotte auf Gasantrieb umgestellt werden. Heißer Kandidat auf der Wunschliste der Fahrer und Fuhrparkverantwortlichen: der neue Econic 2630 Natural Gas Technology. 

„Der Gasmotor im Econic steckt voller ausgeklügelter Technologie“, sagt Hüseyin Yilmaz. „Er ist nicht nur zuverlässig und umweltschonend, sondern auch flüsterleise.“ Der Berliner ist Vorhandwerker in der Werk - statt des BSR-Betriebshofs an der Forckenbeckstraße im Stadtteil Wilmersdorf. Seit rund 30 Jahren schon kümmert sich Yilmaz um die Technik des BSR-Fuhrparks. Seine Mechaniker pflegen und warten am Standort über 70 Entsorgungsfahrzeuge. Die ersten Econic mit Gas-Technologie hat die BSR direkt nach der Markteinführung 2002 beschafft. Seitdem ist Hüseyin Yilmaz Experte für den umweltschonenden Antrieb.

Der neue Erdgasmotor M 936 G mit 7,7 Liter Hubraum basiert auf dem Turbodieselmotor OM 936. Der Reihensechszylinder wird mit komprimiertem Erdgas betrieben, leistet 222 kW und erreicht ein maximales Drehmoment von 1 200 Nm. Mit seiner kraftvollen Leistungsentfaltung ist der einstufig aufgeladene Motor dem Pendant mit Dieselantrieb völlig ebenbürtig.

Tech-Info: Gasmotor M 936 G.

  • Funktion: Umweltschonender Motor mit 7,7 Liter Hubraum für den Betrieb mit komprimiertem Erdgas. Bis zu 222 kW Leistung sind abrufbar, das maximale Drehmoment liegt bei 1 200 Nm.
  • Ausstattung: Neu entwickelte Aufladung, Ladeluftführung, Zündung und Gemischaufbereitung inklusive Abgasrückführung bei gleichen Abmessungen wie der Dieselmotor OM 936.
  • Effekt: Herausragende Leistungsentfaltung in einem breiten Drehzahlband, niedriges Geräuschniveau und bis zu 20 Prozent weniger CO₂-Emissionen als der vergleichbare Turbodiesel.

Ausgezeichnete Umweltbilanz.

Die CO₂-Emissionen des neuen Gas-Aggregats liegen bis zu 20 Prozent unter denen des Dieselmotors. Und durch die Beimischung von biologisch erzeugtem Gas lässt sich die CO₂-Bilanz nochmals verbessern. Die Berliner Stadtreinigung produziert seit 2013 mit einer eigenen Anlage in Ruhleben Biogas und speist dieses in das Stadtnetz ein. Hüseyin Yilmaz erklärt: „Unsere Econic holen auf ihren Touren quasi ihren Kraftstoff bei den Berlinern direkt vor der Haustür ab. So sparen wir rund 2,5 Millionen Liter Diesel im Jahr. Das ist dufte!“

Guido Prokop gehört zu denjenigen, die den „Kraftstoff“ an der Straße einsammeln. Zählt man Rest- und Bioabfälle zusammen, entleert die Berliner Stadtreinigung insgesamt mehr als 21 Millionen Müllbehälter pro Jahr. Seit gut sechs Wochen fährt Prokop einen der beiden neuen Econic Natural Gas Technology durch die Straßen Berlins. Heute sind er und sein Team im Stadtteil Marzahn unterwegs. "Gerade wenn es zwischen den Häusern mal eng wird, weil leider oft Pkw in zweiter Reihe geparkt werden, ist der Econic dank kompakter Maße, kurzem Radstand und elektrohydraulisch gelenkter Nachlaufachse unschlagbar“, so Prokop. „Außerdem bieten die große Panoramascheibe und das durchdachte Spiegelsystem eine klasse Rundumsicht. Das macht das Rangieren zum Kinderspiel.“

Spielend bewältigen er und die beiden Müllwerker auch die vielen Ein- und Ausstiege Tag für Tag. Prokop erläutert: „Früher musste man aus dem Fahrzeug hüpfen und anschließend wieder in die Fahrerkabine hochklettern – das ging mit der Zeit ganz schön in die Gelenke. Dank dem Econic mit Low-Entry-Konzept gehört das aber der Vergangenheit an.“ Sowohl Beifahrer als auch Fahrer können durch die nach innen öffnende Falttür auf der sicheren, verkehrsabgewandten Seite ein- und aussteigen. Das Konzept erhöht die Arbeitssicherheit und trägt dazu bei, dass die Mannschaft fit bleibt.

Die Rundumsicht macht das Rangieren zum Kinderspiel.


Guido Prokop, Berliner Stadtreinigung

Beste Arbeitsbedingungen.

Das Cockpit des Econic mit neuem Multifunktions-Lenkrad und die individuell platzierbaren Funktionstasten im Schalterfeld bieten dem Fahrer beste Arbeitsbedingungen. Die Bedienung des Allison-Sechsgang-Automatikgetriebes auf Höhe des Lenkrads macht das Fahren noch komfortabler und sicherer. „Unsere Touren sind dank des neuen und leiseren Econic mit Natural Gas Technology viel entspannter geworden“, sagt Prokop. „Und wenn wir am späten Nachmittag zurück in den Betriebshof fahren, dann habe ich oft nicht mehr als 48 Kilogramm Gas verbraucht. Das sind etwa sieben Kilo weniger als beim Vorgänger, der auch schon ziemlich sparsam war.“ Innerhalb von nur wenigen Minuten ist das Fahrzeug am Betriebshof in der Forckenbeckstraße betankt. „Außer dem sparsamen Triebwerk ist es auch der konsequente Leichtbau der Tanks, der beim neuen Econic den Unterschied macht“, sagt Yilmaz.

Bei einem Radstand von 3.900 Millimetern beträgt der Nutzlastzuwachs durch diese gewichtsoptimierte Bauweise bis zu 400 Kilogramm gegenüber dem Vorgänger. Bis zum späten Abend ist Vorhandwerker Yilmaz damit beschäftigt, die Betriebsdatenblätter seiner Fahrzeuge zu aktualisieren. Am nächsten Morgen, wenn Berlin noch in den Federn liegt, machen sich Guido Prokop, seine Kollegen und der Econic 2630 Natural Gas Technology wieder auf den Weg, um die wertvollen Abfälle der Berliner zu sammeln. Ganz leise.

Text: Christian Schmidt
Fotos: Kristian Barthen/Daimler
Quelle: Mercedes-Benz Transport 1/2016

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