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Alleskönner
auf Hilfsmission.

Unimog U 4000 vom Unimog-Club Gaggenau bringt Hilfsgüter zu Erdbebenopfern nach Kroatien.

Kein frohes Fest für die Bewohner in und um Petrinja: Unmittelbar nach den Weihnachtsfeiertagen 2020 bebte die Erde in der kroatischen Stadt und der umliegenden Region. Um die durch die Erschütterungen entstandene Not zumindest ein bisschen zu lindern, machte sich nur wenige Tage später ein Hilfstransport aus Gaggenau auf den Weg nach Kroatien – mit einem Unimog U 4000 als Hauptakteur.

Mutige Macher am Steuer.

Markus Hrkac verfolgte fassungslos die Katastrophenmeldungen, die am 29. Dezember die deutschen Medien erreichten. Viele Freunde und Familienangehörige des gebürtigen Kroaten wohnen in Petrinja, der vom Beben am schwersten betroffenen Stadt. „Der erste Gedanke war: Wir müssen helfen!“, erinnert sich René Dusseldorp, Geschäftsführer von Merex und Mertec in Gaggenau, dessen Sohn André Dusseldorp gut mit Markus Hrkac befreundet ist und der auch in seinem Unternehmen kroatische Teammitglieder hat.

Von Babynahrung über Kleider, von Decken bis Heizkörper, von Feldbetten bis Medikamente: Über Facebook, persönliche Kontakte und den Unimog-Club Gaggenau wurden Spenden und Hilfsgüter gesammelt, die André Dusseldorp mit einem Helfer schon am Neujahrsmorgen in einen Sprinter und einen Vito der Firma Merex lud und nach Petrinja fuhr.

Unimog führt zweiten Hilfstrupp an.

Vor Ort war schnell klar: Es wird noch mehr Hilfe benötigt. Ganze Straßenzüge wurden beim Erdbeben zerstört, Menschen konnten nicht zurück in ihre Häuser. „Die Region um Petrinja ist sehr ländlich, es leben dort hauptsächlich ältere Menschen, die Jungen sind in die Städte gezogen. Manche Häuser waren 120 Jahre alt, da war nichts mehr zu retten“, so René Dusseldorp über die Lage im Katastrophengebiet.

Von der er sich schnell selbst ein Bild machen konnte: Kurz nach der Rückkehr seines Sohnes fragte René Dusseldorp beim Unimog-Club Gaggenau, bei dem er selbst Mitglied ist, ob man zum effektiveren Transport der weiteren gesammelten Hilfsgüter nicht den Club-Unimog nutzen könne. Mithilfe des Clubs und einer großzügigen anonymen Spende war so in kürzester Zeit der zweite Hilfstrupp mit einem Mercedes-Benz Special Truck und den finanziellen Mitteln für Treibstoff und Mautgebühren ausgestattet.

„Am 19. Januar 2021 sind Greg Köhler und ich im Unimog Gespann und mein Sohn mit seinem Freund Markus Hrkac im Vito gen Petrinja gestartet“, berichtet René Dusseldorp. Nicht nur im Rückblick eine nervenaufreibende Aktion – auch, weil die Bedingungen während der Pandemie erschwerend hinzukamen. „Um die weite Strecke ohne Pause zurücklegen zu können, sind wir im Wechsel gefahren“, so René Dusseldorp. Den Helfern war es ohne Impfung und Corona-Test nicht erlaubt, länger als 78 Stunden im Land zu verbringen. Um die vielen Formalien kümmerten sich die zahlreichen Unterstützer in Gaggenau.

Erst bei Tageslicht haben wir gesehen, wie groß das Ausmaß der Zerstörung wirklich ist.

René Dusseldorp, Geschäftsführer, Merex und Mertec

Endlich am Ziel.

Das Unimog Gespann von insgesamt 14 m Länge, mit einem Zuggewicht von 11 t und einer Höchstgeschwindigkeit von 89 km/h sowie der Vito kamen schließlich um 20 Uhr an ihrem Ziel im Katastrophengebiet an. Am Ende der Reise warteten dankbare Menschen, aber auch Gefahren. „Wir haben in unseren Kleidern geschlafen, für den Fall, dass es mitten in der Nacht wieder ein Erdbeben gibt“, erinnert sich René Dusseldorp. „Von Dezember bis heute hat es 400 weitere Beben in der Region gegeben, auch wenn diese glücklicherweise leichter verlaufen sind“, so der Unternehmer aus Gaggenau.

Doch bevor man nach einem langen Tag auf der Straße überhaupt an Schlaf denken konnte, wurden die Hilfsgüter noch in der Nacht verladen, die Spenden in einer kommunalen Halle deponiert. Unterkunft und Verpflegung für die Helfer aus Gaggenau stellten die Verwandten von Markus Hrkac. Am nächsten Morgen ging es auf Fahrt in die umliegenden Dörfer, wo die Spenden verteilt wurden. „Erst bei Tageslicht haben wir gesehen, wie groß das Ausmaß der Zerstörung wirklich ist“, erzählt René Dusseldorp.

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Kein business as usual.

Schließlich ging es für die Männer in einer 15-stündigen Fahrt zurück nach Gaggenau. Mit an Bord: Das gute Gefühl, einigen Menschen geholfen zu haben, aber auch der unablässige Gedanke, ob man noch mehr hätte tun können. Kein gewöhnlicher Einsatz auch für den Unimog U 4000, der nach über 1.800 zurückgelegten Kilometern schließlich wieder seine Garage beim Unimog-Club Gaggenau bezog.

„Ohne die Unterstützung der vielen Engagierten und Helfenden wäre dieser Transport nicht möglich gewesen“, drückt René Dusseldorp seine Dankbarkeit aus. Und eines ist sicher – wenn in Zukunft erneut Hilfe benötigt wird, setzt er sich auch dafür wieder hinters Steuer.

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