Abseits der Autobahn.

Dave Whyte geht mit dem Zetros ins Gelände, um dessen Potenzial für den Allradmarkt auszuloten.

Ich gestehe freimütig, dass ich meine Erfahrungen am Steuer fast ausschließlich auf asphaltierten Straßen gemacht habe. Meistens saß ich dabei am Lenkrad eines für den Fernverkehr ausgelegten Lastkraftwagens, in jüngerer Zeit mit Anhängern mit geringer Bodenfreiheit im Schlepptau. Stellen Sie sich also meine Gefühlslage vor, als ich im Fahrerhaus eines LKW Platz nahm und eine enge Feuerschneise voller Spurrillen vor mir sah. Meine Gefühle waren durchaus gemischt, als ich mich an Bord eines brandneuen Mercedes-Benz Zetros in den Busch begab, um dessen Geländegängigkeit auf die Probe zu stellen.

Der Mercedes-Benz Zetros stellt ein imposantes Stück Technik dar.

Mit dem in 4x4- und 6x6-Konfiguration erhältlichen Zetros wendet sich Mercedes an jene, die Orte ansteuern wollen, die für große LKW normalerweise tabu sind; unter anderem ist er für den Militäreinsatz, die Feuerbekämpfung und den Einsatz in abgelegenen, schwer zugänglichen Regionen geeignet. Er unterscheidet sich deutlich vom Mercedes Flaggschiff, dem Fernverkehr-LKW Actros. Die Aufgaben, für die der Zetros ausgelegt ist, und das Gelände, für das er konstruiert ist, würden die meisten Fernverkehr-LKW wohl komplett überfordern.

Gleichwohl steckt im Zetros die gleiche Technik wie unter einer Actros-Fahrerkabine, doch hat der Zetros noch ein paar Tricks auf Lager. Es gibt einige Orte, die für den Zetros anders als für einen 6x6-Actros zugänglich sind, wozu auch der Laderaum eines Hercules-Militärflugzeugs gehört. Tatsächlich war das eines der Konstruktionskriterien und ist auch der Grund für die eigenwillig gestaltete Dachlinie, die an beiden Seiten schräg abfällt. Zwar wird die große Mehrheit der Käufer dies nie selbst ausprobieren, aber Großeinkäufer werden diese Eigenschaft wahrscheinlich berücksichtigen.

Der Zetros ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Hersteller mit Teilen aus dem Regal eine Spezialmaschine fertigt. Er wird vom gleichen 7,2-Liter-Reihensechszylinder OM 926 LA angetrieben, der auch unter der Axor-Kabine zu finden ist. Im Fahrerhaus kommen die Instrumententafeln aus der Axor- und Atego-Modellreihe zum Einsatz. Während das Fahrerhaus selbst speziell für den Zetros entwickelt wurde, stammen die Türen aus dem Unimog-Teilekatalog. Das bedeutet für den Käufer: Teile sind leicht erhältlich, und jede Mercedes LKW-Vertretung kann Reparaturdienste und Unterstützung anbieten.

Jeder Aspekt des Zetros unterstreicht die Robustheit und Langlebigkeit der Bauteile, die für die verschiedenen Einsatzzwecke der 4x4- und 6x6-Allradantriebe im Gelände konzipiert sind.

 

Dave Whyte

Der Zetros überzeugt auf Asphalt und im Gelände.

Der Antriebsstrang hinter dem Motor besteht aus einem Allison 3000P-Sechsgang-Automatikgetriebe und einem zweistufigen Verteilergetriebe von Mercedes. Anschließend wird die Kraft an die Vorder- und Hinterräder übertragen, wobei das Standard-Straßenprogramm 40 % an die Vorderräder und 60 % an die Hinterräder überträgt. Im Offroad-Modus wird die Kraft gleichmäßig (1:1) auf die Vorder- und Hinterräder verteilt. In diesem Modus wird zudem eine kürzere Übersetzung (1,69:1) im Verteilergetriebe gewählt, wodurch sich eine wesentlich bessere Dosierbarkeit der Geschwindigkeit und eine größere Motorbremswirkung ergeben. Differenzialsperren erhöhen die Traktion und lassen sich im Fahrerhaus mühelos aktivieren. Die Radführung erfolgt rundum mit Parabelfedern, wobei die vorderen Federn mit drei Blättern für bis zu 9,0 Tonnen und die hinteren mit vier Blättern für bis zu 9,0 Tonnen pro Achse ausgelegt sind (je nach Rad- und Reifengröße). Außenplanetengetriebe (mit den zuvor erwähnten Differenzialsperren) bringen die Kraft über riesige Reifen der Größe 14.00 R 20 auf den Boden.

Alle Bauteile sind an einem 9,5 mm dicken Leiterrahmen befestigt, der sowohl Festigkeit als auch Flexibilität gewährleistet, wie sich während der Fahrt zeigte. Die robuste Technik ist wahrlich nicht leicht. In der Grundausführung (Fahrerhaus/Fahrgestell) wiegt der 4x4-Zetros 1833 A knapp über 8,0 Tonnen, während der 6x6-2733 A 10,5 Tonnen auf die Waage bringt. Das mag für Firmen, die schwere Zugmaschinen für Road-Trains betreiben, nicht allzu schlecht erscheinen, doch das Zuggesamtgewicht ist durch die Allison-Automatik beschränkt, und diese LKW ziehen keine 130 Tonnen. Für Aufgaben mit höherem Zuggesamtgewicht ist jedoch ein Schaltgetriebe lieferbar. Dessen ungeachtet bieten die Fahrzeuge einen hohen Bedienkomfort und sind wendig genug, dorthin zu gelangen, wohin es die meisten teuren 4x4-Wagen nicht schaffen.

Wenngleich der Zetros für den Einsatz im Gelände ausgelegt ist, überzeugt er auch auf dem Asphalt mit fahrerfreundlichen Eigenschaften. Die Geländefahrten des Testtages sollten im Hinterland von Anglesea stattfinden, ungefähr eine Fahrstunde westlich von Melbourne. Die einstündige Fahrt umfasste Autobahnen und Landstraßen, bevor es die letzten paar Kilometer über die Great Ocean Road ging. Das bot eine gute Gelegenheit, sich vor dem Ausflug ins Gelände mit dem Fahrverhalten des Zetros vertraut zu machen, einschließlich Lenk- und Bremsverhalten.

Große Souveränität und hoher Komfort.

Wie allgemein üblich ist die Fahrgeschwindigkeit des Zetros auf 100 km/h begrenzt, doch aufgrund der Übersetzung und zur Schonung der Mechanik ließ ich es auf der Straße bei einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h bewenden. Bei diesem Tempo drehte der Motor mit 2000 U/min; zwar hätte er 100 km/h geschafft, doch sah ich keine Notwendigkeit, noch mehr Gas zu geben. Der Zetros zeigte auf der Straße sehr gute Fahreigenschaften, allerdings wurde durch das mangelnde Gewicht am 4x4-Modell deutlich, wie hart die Hinterachse gefedert ist. Der 6x6, mit einer Pritsche ausgestattet und mit 4,0 Tonnen Beton beladen, bewies deutlich mehr Federungskomfort und damit auch ein besseres Fahrverhalten.

Schließlich kam die Zeit, den Geländemodus zu wählen und uns den Weg durch den Wald zu bahnen. Als wir die Feuerschneisen entlangfuhren, gab es einige Stellen, wo die Spuren kleinerer 4x4-Fahrzeuge abrupt endeten. Eine dieser Stellen war eine steile Böschung, wo jemand offenkundig mehrfach versucht hatte, mit seinem 4x4 nach oben zu kommen, es aber nicht geschafft hatte. Sowohl der 4x4- als auch der 6x6-Zetros bewältigten die Böschung völlig mühelos und machten damit deutlich, wozu diese LKW imstande sind. Das war eine Gelegenheit, bei der ich die Aufhängung des 6x6 wirklich arbeiten sehen und die Flexibilität des Fahrgestells beobachten konnte. Aufgrund der Flexibilität von Achsführung und Fahrgestell waren alle sechs Räder fest auf dem Boden, bis die Hinterachse den Bodenkontakt verlor, als der LKW am Ende der Böschung wieder die Horizontale erreichte.

Obwohl die meisten der von uns befahrenen Wege keine wirkliche Bewährungsprobe für die Zetros darstellten, traten auf bestimmten Abschnitten die Vorteile verschiedener Aspekte ihrer Bauweise zutage. Bodenfreiheit, Auffahrwinkel und Wendekreis erwiesen sich im Laufe des Tages als Pluspunkte. Ich für meinen Teil war erstaunt über die Geländegängigkeit dieser Lastkraftwagen. Noch erstaunlicher: Sie bewältigten diese Strecken mit mir am Steuer – in ungewohntem Gelände und ungewohnten Fahrzeugen – mit großer Souveränität und hohem Komfort.

Unterwegs durch den australischen Busch.

Zweifellos trug das Allison-Automatikgetriebe enorm zum Bedienkomfort bei, da es bei Gangwechseln keine Zugkraftunterbrechung gab. Das bedeutete: nahtlose Leistungsentfaltung an Anstiegen, selbst wenn Gangwechsel nötig waren, ohne Verlust an Schwung. Klar sahen die Fahrzeuge etwas mitgenommen aus, nachdem sie den ganzen Tag durch den Busch bewegt worden waren, doch schließlich werden sie genau dafür gebaut, oder?

Der Zetros kämpft um Anteile in einem Nischenmarkt, in dem die Käufer Fahrzeuge nicht nach dem Aussehen kaufen, sondern nach ihren Anforderungen (was mir sowieso besser gefällt). Zwar habe ich schon einige Konkurrenzfahrzeuge gefahren, doch keines von ihnen hätte in ein Hercules-Frachtflugzeug gepasst. Aber Spaß beiseite. Bei den meisten anderen Modellen auf dem Offroad-Markt handelt es sich um Frontlenker; der Unterschied mag minimal sein, doch ermöglichen Haubenlenker ein ganz anderes Fahrerlebnis. Die lange Motorhaube bietet nicht nur Schutz, etwa vor herunterhängenden Ästen, sondern die besseren Fahreigenschaften und die geringere Geräuschentwicklung machen dem Fahrer das Leben wesentlich leichter.

Wenngleich es bereits seit geraumer Zeit allseits bekannt ist, dass Mercedes den Zetros baut, bestand zumindest in Australien immer die Ansicht, dass er ausschließlich für militärische Zwecke gedacht sei. Keine Frage, der Zetros ist leistungsfähig, Service und Support sind verfügbar, und er ist in jeder Mercedes-Benz LKW-Vertretung im ganzen Land käuflich zu erwerben. Ob Sie auf der Suche nach einem Feuerwehrwagen, einem Wassertankfahrzeug oder einem Offroad-Camper sind: Es lohnt sich auf jeden Fall, den Zetros näher unter die Lupe zu nehmen.

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